9 Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?
10 Ich, der HERR, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem Einzelnen zu vergelten entsprechend seinen Wegen, entsprechend der Frucht seiner Taten.
11 Wie ein Rebhuhn, das Eier brütet, die es nicht gelegt hat, so ist, wer ein Vermögen erwirbt, aber nicht auf rechtmäßige Weise; in der Mitte seiner Tage muss er es verlassen, und an seinem Ende ist er ein Narr! (Jer 17:9-11, Schlachter)
17,1-11 Judas tief eingeprägter Götzendienst ist die Ursache für die Wegführung in die Gefangenschaft. Der Berg Gottes (Schlachter 2000, unrevidierte Elberfelder) ist Jerusalem. Auf Menschen zu vertrauen, bringt Fluch; das Vertrauen auf den HERRN dagegen bringt Segen. Gott kennt das trügerische Herz des Menschen und wird den bestrafen, der unrechtmäßig Reichtum erwirbt. Es ist »wie ein Rebhuhn, das brütet, ohne gelegt zu haben«.
Vers 9 ist eine unpopuläre, nichtsdestoweniger sehr wahre Einschätzung des natürlichen menschlichen Herzens.
R.K. Harrison schreibt zu dem mit »unheilbar« übersetzten Wort:
Die nicht wiedergeborene menschliche Natur befindet sich ohne göttliche Gnade in einer verzweifelten Lage, die durch den Begriff »unheilbar« (oder »bösartig«, »verderbt«) in Vers 9 umschrieben wird. Dieser Ausdruck findet sich auch in 15,18 und 30,12. Jede Generation bedarf einer Wiedergeburt der Seele durch den Geist und die Gnade Gottes (siehe Joh 3,5-6; Titus 3,5).18
Für jene, die meinen, dies sei ein zu hartes Urteil über ihr Herz, zitieren wir die etwas längeren, aber nötigen Ausführungen von Matthew Henry:
Es gibt eine Bosheit in unseren Herzen, der wir uns selbst nicht bewusst sind und die wir dort nicht vermuten; ja, es besteht die allgemeine Fehlhaltung unter den Menschenkindern, zumindest das eigene Herz für ein ganzes Stück besser zu halten, als es wirklich ist.
Das Herz, das Gewissen des Menschen ist in seinem verdorbenen und gefallenen Zustand trügerischer als alles andere. Es ist durchtrieben und hinterlistig und darauf aus, zu betrügen; von diesem Wort wird der Name Jakob (Überlister, Betrüger) abgeleitet. Es nennt Böses gut und Gutes böse, färbt die Dinge falsch ein und verkündet denen Frieden, denen der Friede nicht zusteht. Wenn Menschen in ihren Herzen sagen (d.h. Ihren Herzen erlauben, ihnen zuzuflüstern), es gebe keinen Gott oder er könne nicht sehen oder er werde nicht nachfragen oder sie würden Frieden haben, obwohl sie weiter sündigen ‒ bei diesen und tausend ähnlichen Vorstellungen betrügt uns unser Herz.
Es lockt uns in unser eigenes Verderben; und dies macht die Sache nur noch schlimmer: Solche Menschen sind Selbstbetrüger, Selbstzerstörer. Hierin ist das Herz verzweifelt böse, es ist tödlich, es ist unheilbar. Die Lage ist wirklich völlig hoffnungslos und beklagenswert, wenn das Gewissen, das die Irrtümer der übrigen geistigen Fähigkeiten zurechtrücken sollte, selbst die Mutter der Falschheit und der Anstifter der Verblendung ist.
Was wird aus einem Menschen werden, in dem das, was ein Licht des Herrn sein sollte, ein falsches Licht gibt, wenn Gottes Stellvertreter in der Seele, der eingesetzt wurde, um Gottes Anliegen zu vertreten, diese verrät? Von solcher betrügerischen Art aber ist das Herz, sodass wir wahrlich sagen können: Wer kann es ergründen? Wer kann beschreiben, wie böse das menschliche Herz ist?
(William Macdonald)
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