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„Abwege im Umgang mit göttlichen Dingen“

Wo man mit göttlichen Dingen recht umgeht, da werden besonders die Grenzen von Natur und Gnade richtig geschieden.
In dieser Hinsicht haben wir in gegenwärtiger Zeit zwei Abwege zu vermeiden, die zwar sehr weit auseinanderzugehen scheinen, aber doch hernach zusammenstoßen, da beide die wahre Gnade und den Zweck der Heiligen Schrift verfehlen, nämlich:

der falsche Gnadenruhm und die Erhebung der Naturkräfte.


„Die falsche Erhebung der natürlichen Kräfte des Menschen“

Hierbei aber ist desto nötiger über den anderen Abweg deutlich zu reden. Man sollte nicht denken, daß in der Christenheit, die ganz auf die Heilige Schrift erbaut ist, die Natur sich über die Gnade so sehr hätte emporschwingen können; aber das Unheil, welches im Abendland nach und nach entstanden ist, liegt zutage.

Als in den letzten Weltzeiten der Geschmack an dem Wort Gottes durch den Zusatz so vielen Menschentands sehr verringert worden war, haben besonders in Italien im fünfzehnten Jahrhundert und später viele Gelehrte unter anderem in der heidnischen Philosophie, wo sie am seichtesten und trockensten ist, ihre Weide gesucht.

Darüber sind sie entweder in die Leugnung des höchsten Wesens verfallen, oder sie haben die Erkenntnis Gottes allein aus dem Licht der Vernunft und eine Frömmigkeit aus den Kräften der Natur herzuleiten gesucht und sich damit je mehr und mehr von der Gnade entfernt.

(Johann Albrecht Bengel, 1687-1752, aus: Zeugnissse der Schwabenväter)

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Dem Vollendeten

Du hattest in dem Schiffe
den rechten Steuermann,
der uns durch alle Riffe
und Strudel führen kann.
Der schirmte deine Segel,
daß keines dir zerriß,
und hielt nach ew'ger Regel
des Ruders Gang gewiß

Der Glaube war dein Segel,
die Hoffnung dein Magnet,
die Liebe deine Regel,
dein Anker das Gebet;
und in des Schiffleins Mitte
stand Christi Kreuz als Mast,
das du mit Lob und Bitte
in jedem Sturm umfaßt.

(Albert Knapp)
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Johann Albrecht Bengel (1687-1752)

Im Jahr 1687 in Winnenden geboren, musste Bengel als Kind vor einrückenden französischen Truppen aus seiner Geburtsstadt flüchten. Kurz darauf erlebte er die Plünderung und Brandschatzung Marbachs. Früh verlor er den Vater. Nach dem Besuch des Stuttgarter Gymnasiums bezog er 1703 das Tübinger „Stift“, das Begabten bei freier Kost und Logis das Theologiestudium ermöglichte.

1713 wurde er zum Lehrer an der Klosterschule Denkendorf bei Stuttgart ernannt. Als Vorbereitung auf die Stelle unternahm er eine Bildungsreise, die ihn bis nach Halle an der Saale führte. Dort beeindruckte ihn die Begegnung mit August Hermann Francke, einem der führenden Pietisten seiner Zeit.


Verfasst: 29.05.2026, 08:13 Uhr
Editiert: 29.05.2026, 08:19 Uhr

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