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"Die Erkenntnis der Wahrheit leitet zur Gottseligkeit"

Grund und Anfang:

Wer die Wahrheit erkennen will, der muß anfangen, sich der Gottseligkeit zu befleißigen.

17 Wenn jemand seinen Willen tun will, wird er erkennen, ob diese Lehre von Gott ist, oder ob ich aus mir selbst rede. (Joh 7:17, Schlachter)

Man muß deshalb von allen Vernunftshöhen herab und ein Kind werden (Mat 11)
Den Unmündigen wird das Geheimnis Gottes und Christi geoffenbart. Die Blindheit der Vernunft zeigt sich besonders im Zentrum der geoffenbarten Wahrheiten, das ist in dem Kreuz des Sohnes Gottes (1. Kor 1 und 2).
Daher ist es auch in der geistlichen Erfahrung das erste, daß man seinen Unglauben in dieser Sache fühlt.
Da unterschreibt man den dritten Artikel: „Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann.

Und so wird man ein Mühseliger und Beladener, den
a) Jesus erquickt,
b) ihm das sanfte Joch der Verleugnung seiner selbst auferlegt und

c) ihm unter viel tausend Übungen seinen und seines Vaters Namen immer bekannter macht, so daß man ein rechter Gottesgelehrter wird, (wohlgemerkt!) wenn man das Suchen in der Schrift dabei immer als ein Hauptwerk betreibt.

Folge und Fortgang:

Wenn man zur Erkenntnis Gottes und Jesu Christi gekommen ist, dann führt sie einen immer weiter in die Gottseligkeit. Das ist aus 2. Kor. 3 und 4 schön zu sehen.

Alsdann strahlt einem die Klarheit Gottes in dem Angesicht Jesu Chriti ins Herz.
Man glaubt an Gott und glaubt an Jesus durch die Erleuchtung des heiligen Geistes (2. Kor. 3, 18). Da ist die nächste Wirkung in den Gläubigen, daß sie ihr Unvermögen und ihre Unwürdigkeit in geistlichen Dingen immer erkennen lernen.

Ehe man erleuchtet wird, ist man durch die Eigenliebe blind; aber das sanfte Licht der himmlichen Klarheit deckt einem diese Blindheit auf, und darnach heißt es:
Nicht daß wir tüchtig sind...“ (2. Kor 3:5).
Bekommt man aber ein Amt des Neuen Testamentes, so schreibt man es der lautern Barmherzigkeit Gottes zu, sowohl was den Beruf (2. Kor. 4:1) als auch was die Tüchtigkeit dazu betrifft (2. Kor 3, 5:6);

daß sie sich der sanften Wirkung der himmlischen Klarheit überlassen. Da ist dann der menschliche Geist diejenige Fähigkeit der Seele, welche die göttliche Wirkung mit Freude erleidet. Das ist keine Schwärmerei, weil diese Wirkung mit der Erforschung der heiligen Schrift verbunden ist.

Durch diese Erleuchtung kommt Friede und Freude im heiligen Geist, daher man mit aufgedecktem Angesicht die Klarheit des Herrn anschaut und in seinem ganzen Amt große Freudigkeit und Freimütigkeit gebraucht (2. Kor 3:12)

12 Da wir nun eine solche Hoffnung haben, so treten wir mit großer Freimütigkeit auf
13 und nicht wie Mose, der eine Decke auf sein Angesicht legte, damit die Kinder Israels nicht auf das Ende dessen sähen, was weggetan werden sollte.
(2. Kor 3:12-13, Schlachter)

Auch diesen freudigen Freimut bekommt man durch das Forschen in der Schrift. Manche redlichen Studierenden dringen bei ihrer Erweckung auf die Gewißheit ihres Gnadenstandes. Bis sie nun diese erlangen, wollen sie das Forschen in der Schrift beiseite setzen. Dahinter versteckt sich oft der Eigensinn (Sirach 51:38)

"Tut euer Werk vor der Zeit, und er wird euch seinen Lohn geben zu seiner Zeit.“
(Sirach 51:38, Luther)


(Friedrich Christoph Oetinger 1702-1782, „ Die Weisheit auf der Gasse“, Zeugnisse der Schwabenväter)


Verfasst: 09.08.2026, 07:16 Uhr
Editiert: 09.08.2026, 07:55 Uhr

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