3 Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, dass die Bedrängnis standhaftes Ausharren bewirkt,
4 das standhafte Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung;
5 die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. (Rö 5:3-5, Schlachter)
Wenn das Lichtlein auch nur ein wenig brennt, so bekommt der Docht eben doch nach und nach einen Butzen*, der abgenommen werden muß, und das Instument dazu ist das Leiden des äußeren Menschen.
Die Liebe Gottes führt die Menschen durch Umwege und durch vergebliches Bemühen dahin, daß sie darunter gedemütigt und vor Hochmut bewahrt werden. Gott wollte uns anfangs den kürzesten Weg führen; weil wir uns aber nicht darein schicken wollten, ist's uns ergangen wie den Israeliten in der Wüste, die ihre Reise geradewegs in wenigen Tagen hätten erledigen können; aber durch ihre Schuld und doch zu ihrem Besten mußten sie so lange umherirren.
Von den lustigsten Welttagen und Stunden gibt es im Herzen ein widriges Andenken; aber an Leidenszeiten, durch die man sich bewegen läßt, dem heiligen, seligen Willen Gottes immer völliger und lauterer anheimzufallen, kann man hernach immer mit Danksagung und Freude zurückdenken.
Wenn der Allmächtige uns seine Macht zu fühlen gibt, dann geht das Flehen zu seinem Erbarmen desto kräftiger. Ein Schiff, das man beschwert, läuft besser und gerader.
Das Geheimnis des Leidens und Kreuzes ist größer, als wir jetzt verstehen, und über allen Verstand. Die Frucht davon erstreckt sich in die Ewigkeit.
Leibliche Trübsal gibt es viel in diesem elenden, mühevollen Leben. Man nimmt's meist so hin, denkt weder nach, woher es komme, noch bedenkt man, was es zu bedeuten habe. Eine dumme Ungeduld oder natürliche Trägheit ist da, aber überhaupt kein Nachdenken. Der Glaube aber macht alles zu lauter Heil. Keine trübselige Stunde ist vergeblich: entweder wirst du besser oder schlimmer. Laß dich zum Glauben bringen; er ist der Zweck der Trübsal.
Wir wollen geduldig sein, Gott nichts vorschreiben und erkennen, daß es Ihm freisteht. Alle Trübal muß erst reif werden; danach hilft er. Wenn es aufs höchste kommt, ist's bald vorbei. Es ist eine Stunde.
Gott verzärtelt nicht die Seinen, sondern übt sie. Der getreue himmlische Vater pflegt sie, die er in Jesus Christus zu seiner Kindschaft angenommen hat, zur Läuterung ihres Glaubens auf mannigfache Weise zu üben, während er die fremden Kinder in ihrer Freiheit dahingehen läßt. Wer so bald aus der Schule läuft, der kommt zu nichts.
Es hat oft den Anschein, als ob die, die unter der Trübsal zu Gott gezogen werden sollen, mehr zurückgeworfen würden. Das Sicherste ist, in Gottes Zuchtschule nur auszuharren, bis Er selber Frieden schenkt.
Also führt Gott seine Heiligen: Wenn er sie will zu Ehren bringen, dann legt er sie in den Staub; wenn er sie will heilen, dann schlägt er sie, wenn er sie will zum Leben führen, dann tötet er sie; wenn er ihnen gütig ist, dann verstellt er zuweilen sein Angesicht. Er führt sie zur Ehre durch Schande, zum Leben durchs Schwert, durch Angst zur Freude; ja, Er will in den Himmel führen, dann geht er mit ihnen den Weg durchs finstere Tal und durch die Hölle.
Trage deine Seele in deinen Händen! Das schenkt dir Kraft, auf allen Trost der Kreatur zu verzichten und dich völlig deinem Gott zu überlassen. Wo der Trost der Kreatur ausgeht, da ist Gottes Licht nahe.
(Johann Albrecht Bengel (1687-1752) , aus: „In der Gegenwart Gottes“, Zeugnissse der Schwabenväter)
09 Mein Leben ist ständig in meiner Hand, aber dein Gesetz habe ich nicht vergessen. (Ps 119: 109, Elb)
46 Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Und als er das gesagt hatte, verschied er. (Luk 23:46, Schlachter)
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„Mein Leben ist ständig in Gefahr“
Verwundbarkeit & Achtsamkeit:
Wer seine Seele in den Händen trägt, versteckt sie nicht. Sie ist ungeschützt, spürbar und kostbar.
Die Metapher bedeutet, dass man sich seiner eigenen Verwundbarkeit vollkommen bewusst ist, sein Leben selbstverantwortlich annimmt und es schützt – oder es im übertragenen Sinne vertrauensvoll in höhere Hände legt.
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(*) „Butzen“ heißt in Altbayern das Kerngehäuse eines Apfels oder einer Birne. Der Begriff ist ein altes deutsches Wort und bedeutete wohl ursprünglich 'Blüte' oder auch nur die Knospe oben an einem Apfel. Heute ist es jedenfalls ein Kerngehäuse.
„Butzen“ => Dochtstände:
Optimaler Dochtstand
Der Docht kommt gerade aus der Kerze und biegt sich an der Spitze zur Flammengrenze hin, wo er in der „Glüh-Zone“ mit der bekanntlich höchsten Temperatur unter Einwirkung von Sauerstoff vollständig verbrennt.
Docht steht zu aufrecht
Diese „Butzen“ sind wahrscheinlich das bekannteste und lästigste Brennproblem. Der Docht krümmt sich nicht, so dass die Spitze des Dochtes nicht die Außenseite der Flamme erreicht, wo bekannterweise die höchste Temperatur zu verzeichnen ist, die wiederum eine komplette Kohlenstoffverbrennung sicherstellt.
Gründe:
1. Beimischungen, wie zum Beispiel ungeeignete Papierfäden, verhindern, dass sich der Docht krümmt.
2. Verunreinigungen, wie Hartwachse, Additive, Farb- und Duftstoffe etc. verstopfen den Docht und verhindern eine Biegung.
[https://www.wedobraids.com/dochtstaende/]
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