Bei den Heiligen schmelzen die Naturgaben und die Gnadengaben zusammen, wie an Joseph, Bezaleel (2. Mose 31: 2,3), Salomo, Daniel und seinen Gesellen zu sehen ist.
1 Und der HERR redete mit Mose und sprach:
2 Siehe, ich habe Bezaleel mit Namen berufen, den Sohn Uris, des Sohnes Hurs, vom Stamm Juda,
3 und ich habe ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit und Verstand und Erkenntnis und mit Geschicklichkeit für jede Arbeit,... (2. Mose 31:1-3, Schlachter)
Der Glaube macht alle die fähig und gelehrig, in denen er wohnt, und solches breitet sich dann auch auf andere aus, die mit ihnen umgehen.
Die natürlichen Wissenschaften sind erst durch die Christen und bei ihnen so hoch gestiegen.
Besser ist es mit Beweisung des Geistes und der Kraft reden, als vernünftig demonstrieren, und so ist es auch besser zu glauben als zu wissen (1. Kor. 2:4,5).
4 Und meine Rede und meine Verkündigung bestand nicht in überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft,
5 damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft. (1. Kor 2:4-5, Schlachter)
Man soll ja nicht denken, daß es den Aposteln an Tüchtigkeit gefehlt habe und daß sie mehr ausgerichtet hätten, wenn sie nicht so ganz bei ihrer „törichten“ Predigt geblieben wären. Sie haben ohne allen Zweifel die rechte Weise, mit göttlichen Dingen umzugehen, geübt. Eine Wahrheit, sofern man sie natürlich weiß, reicht nicht so weit, als wenn man sie glaubt, da ihr der Glaube eben die rechte übernatürliche Kraft erst gibt. Sehr nachdenklich heißt es Psalm 94, 10-11:
10 Der die Nationen unterweist, sollte der nicht zurechtweisen? – er, der Erkenntnis lehrt den Menschen?
11 Der HERR kennt die Gedanken des Menschen, dass sie ein Hauch sind. (Ps 94:10-11, 12-13, Elb)
und dann Vers 12-13:
12 Wohl dem Mann, den du, HERR, züchtigst, und den du aus deinem Gesetz belehrst,
13 um ihm Ruhe zu geben vor den Tagen des Unglücks, bis dem Gottlosen die Grube gegraben wird.
Da wird zuerst der Lehre überhaupt gedacht, die Gott dem Menschen durch seine Werke und Gerichte zukommen läßt, und nachher der Lehre durch das Gesetz oder Wort Gottes, womit erst das „Wohl“ oder die Seligkeit verknüpft wird.
Wo man das natüliche Licht der Vernunft zu sehr erhebt, da setzt man auch die natürlichen Kräfte des Willens zu hoch ein, und das gibt dann ein Vertrauen auf eigene Kraft, was ein leidiger Charakter der gegenwärtigen Zeiten ist. Die maßgebliche Geltung des Altertums und des grauen Alters; aber der maßgebliche Einfluß der eigenen Autorität ist dafür aufgerichtet worden. Daher rührt eine unbesonne Vermessenheit, in der mancher die schwersten Sachen ganz leicht nimmt und auf einen Atemzug auszumachen vermeint, was man zuvor in ganzen Menschenaltern nicht hat bewältigen können.
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[Johann Albrecht Bengel (1687-1752), aus: Zeugnisse der Schwabenväter]
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