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"Von der Erkenntnis Gottes und Christi"

13 bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus;
14 damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch das betrügerische Spiel der Menschen, durch die Schlauheit, mit der sie zum Irrtum verführen,
15 sondern, wahrhaftig in der Liebe, heranwachsen in allen Stücken zu ihm hin, der das Haupt ist, der Christus.
(Eph 4:13-15, Schlachter)

Ohne die Erkenntnis Gottes und Christi hast du kein geistliches oder inneres Leben.

Stelle Gott nicht so von dir und der ganzen Welt hinweg als einen gewaltigen Herrn, dem du zuerst ums Brot und hernach um deiner Sünden willen gute Worte geben oder etwas wiedererstatten müßtest.
Merke darauf, wie er sich in seinem Wort als der Quelle alles Lebens geoffenbart hat. Er ist in allem und durch alles;
er wohnt selbst im Innersten und Verborgenen;
er fühlt, was in dir ist, bevor du mit deinen Worten sein Herz bewegen kannst, und er wirkt in allem dahin, daß er dich selbst erst auf dein Hauptanliegen und duch dieses zur rechten Hilfe hinführe.

Erkenne die in Christus für alle Welt geschehene Versöhnung, die Gott nun einem jeden anbietet, und merke dagegen auf den Mangel und die Schwachheit deines Glaubens!
Bist du nicht gleich verzagt und verdrossen, wenn du ein Vergehen oder eine Unart an dir sehen mußt?

Der Herr hat so viel Geduld und Vergebung für dich, und du willst aus Ungeduld und innerlichem Grimm ohne Beugung und Erkenntnis deiner selbst dahinfahren?

Halte doch still unter der äußersten Verwirrung, Finsternis und Gefangenschaft, dann wird der Überschwang der Gnade dir offenbar werden.

Warum willst du dich selber verderben, da dich der Herr selig machen will?

Werde vor allem nicht an Gottes Führung irre! Du willst z. B. Gott ruhig dienen, und doch ist dir alles im Weg. Ja das ist eben Gottes Weg mit dir;
du sollst beunruhigt werden, damit du darunter erst dein Herz kennenlernst. Nicht einen einzigen Gedanken, der je in dir aufgestiegen ist, und nicht eine einzige natürliche und ungeistliche Empfindung, die noch in dir verborgen in ihrer Wurzel liegt, will dir der Herr unentdeckt und ungeahndet vorbeigehen lassen, damit die Fülle der Versöhnungsgnade sich durch alles an dir beweise.
Siehe, darum muß so oft gar vieles gerade deinem bestgemeinten Sinn entgegenlaufen, muß dein Inneres immer tiefer aufgeführt, vom Licht Gottes durchsucht und mit dem Blut Christi durchläutert werden.

Bei der göttlichen Führung mache dir nichts zur Regel, auch wenn dir manchmal etwas klar wird. Begegnet dir heute das gleiche wie gestern, so achte darauf, ob dir der Herr nicht etwas weiteres zeigen will.
Der Sinn des Geistes ist unendlich; er dreht sich immer und will dich aus den besten, aber noch menschlichen Meinungen sogleich wieder in etwas Helleres, Zarteres und Göttlicheres führen. Darum hat sich Gottes Herz mit seinem siebenfachen Geist in der Menschheit Jesu gegen uns so nahe und beweglich gemacht, damit dir die besonderen Gedanken seines priesterlichen Herzens über diesen oder jenen Umstand, durch den er selber gelaufen ist, eingeflößt werden; denn Jesu menschlicher Sinn und Wille ließ sich unter allem vom göttlichen Willen leiten und wurde durch sein Opfer ganz in diesen verschlungen.
...
(Johann Ludwig Fricker, 1729-1766, aus: „Weisheit im Staube“, Zeugnisse der Schwabenväter)


Verfasst: 27.05.2026, 07:58 Uhr
Editiert: 27.05.2026, 08:09 Uhr

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