8 Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob ⟨gibt⟩, das erwägt! (Phil 4:8, Elb)
4 denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen,
5 sodass wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus,
6 und auch bereit sind, jeden Ungehorsam zu bestrafen, sobald euer Gehorsam vollständig geworden ist.(2. Kor 10:5, Schlachter)
...Besonders aber sollen wir die lieblosen, argen Gedanken gegen unseren Nächsten meiden, damit wir nicht sofort alles, was wir an ihm sehen, vor allem aber das Gute verwerfen oder übel auslegen; denn man kann sich auf diese Weise sehr leicht an ihm versündigen.
Wie unrecht tat Eli der frommen Hanna, als er sie für ein betrunkenes Weib ansah, während sie doch von ganzem Herzen zu Gott betete!
Wie unrecht tat jener Pharisäer Christus und der Frau, die ihn salbte, als er dachte: „Wäre dieser ein Prophet, so wüßte er, daß das Weib, das ihn anrührt, eine Sünderin ist“! …
Es erfordert also Liebe, daß man sich bemühe, alles Tun seines Mitmenschen aufs beste auszulegen.
Es kann zum Beispiel geschehen und soll auch billig so sein, daß ein Christ den anderen freundschaftlich straft, wenn er sieht, wie jener seine Zeit mit Müßiggang oder mit anderen Sünden zubringt oder schandbare Worte spricht und Narrenteidinge treibt.
Da muß dann er, der gefehlt hat, auch wenn er älter, vornehmer und klüger wäre, dem anderen dennoch dies nicht als Hochmut, Verhöhnung, Unrecht oder übermütigen Befehl auslegen, sondern solche gutgemeinte Ermahnung gut aufnehmen.
Wenn einer also sieht, daß sein Nebenmensch vor andern mit viel Kreuz von Gott beladen wird, dann muß er nicht denken, daß der gottloser und schlimmer als andere sei. Wenn einer sieht, daß ein anderer sich aus Dingen ein Gewissen macht, bei denen dies gerade nicht notwendig wäre, muß er es nicht sogleich als Eigensinn, Stolz oder Absonderlichkeit auslegen, sondern Geduld mit ihm haben.
Dies alles erfordert die Art rechtschaffener Christenliebe, von der es 1. Korinther 13 heißt:
„Sie verträgt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie duldet alles.“
Wie könnte auch solch ein liebloses und übelauslegendes Herz Gott gefallen, dem sowohl die Bosheit als auch die gute Absicht und redliche Meinung des Mitchristen bekannt ist.
Es soll vielmehr ein jeder sehen, wie er in seinem eignen Herzen mit Gott steht, ob er mit wahrer Aufrichtigkeit vor ihn treten und sagen kann:
„Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine“!
Oder ob nicht vielmehr Jesus zu ihm sagen kann wie zu dem Schriftgelehrten:
„Warum denkst du so Arges in deinem Herzen“?
(Johann Albrecht Bengel (1687-1752) , aus: "Du Wort des Vaters, rede du"! , Zeugnissse der Schwabenväter)
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