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Was sollen wir tun?

Was sollen wir tun, meine Lieben, die wir nun dieses alles wissen, die wir gehört haben, wie Jesus gewachsen und sein Amt angetreten, viele Reisen auf das Fest zu Jerusalem getan, zu Jerusalem an das Kreuz gehängt worden und bis zu seiner Auffahrt seinen Lauf vollendet hat?

Da wir als Gäste und Fremdlinge, jeder in seinem Beruf, durch die Welt reisen und manchen sauren Tritt tun müssen, so ist nichts Besseres, als wir tragen die anbetende Hochachtung und Verehrung immer in uns umher, fallen je und je nieder, sagen auch zu unseren Freunden:

„Kommt laß uns anbeten vor Jesus Christus, dem Gnadenstuhl Gottes!“

Und wenn wir dadurch gestärkt werden, dann wird uns manches vorkommen, das uns anficht und ins Gedränge bringt; wir aber gedenken an alle Wege des HERRN mit uns; wir gedenken an die Augenleitungen Gottes, die uns ebensoviel sind als der Stern der Weisen;

wir kehren uns nicht an das, was andere tun, sondern tun geradezu, was zu tun ist, ohne daß wir alles voraussehen wollen oder allzu klug alles mit Menschenvorsicht überlegen, weil wir wissen, daß es uns um die Anbetung und Verkündigung Jesu zu tun ist und daß dieser oder jener Gang, wenn uns schon niemand vorangeht oder nachfolgt, dahin zielt;
wir jauchzen inwendig mitten im Gedränge und sagen:

„Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich hin, der Herrlichkeit zu“ (Ps. 73:24).

Auf diese Art sind wir vielen „Klügelns Bedenkens überhoben“(*), haben die Anbetung mit allen Heiligen im Himmel vor uns und lassen das, wiewohl es das Unsichtbarste ist, unser Liebstes sein, daß wir nicht in Menschenpolitik, sondern in der Gnade wandeln vor den Engeln Gottes und vor den Auserwählten mit unverwandtem Gemütsauge auf Jesu, den alle Engel Gottes, den alle wahren Israeliten im Geist anbeten.

(Friedrich Christoph Oetinger 1702-1782, aus: „Heilige Philosophie“ Zeugnisse der Schwabenväter)
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(*) =„Klügelns Bedenkens überhoben“

Der Ausdruck „Klügelns Bedenkens überhoben“ ist eine stilistisch gehobene, poetisch-altertümliche Formulierung. Sie bedeutet so viel wie: „Vom Zwang befreit, ständig spitzfindig nachzudenken und sich Sorgen zu machen.“
Die Formulierung setzt sich aus folgenden klassischen Sprachelementen zusammen:

Klügeln:
Das übertriebene, oft unproduktive Grübeln, Analysieren oder Ausklügeln von Dingen (heute oft als Overthinking bezeichnet).

Bedenken:
Das Zweifeln, Abwägen oder Sorgenmachen.

Jemanden einer Sache überheben:
Ein klassischer Genitiv-Ausdruck (jemanden des Bedenkens überheben), der bedeutet, dass jemandem eine Last oder eine Pflicht abgenommen wird. Man ist einer Sache „enthoben“ oder „ledig“
[www.]


Verfasst: Heute, 08:51 Uhr

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